„Plötzlich konnte ich nicht mehr laufen und sprechen“

„Plötzlich konnte ich nicht mehr laufen und sprechen“

Am 29. Oktober ist Welttag des Schlaganfalls: Zwei Frauen wollen Betroffenen Mut machen. Sie haben in Nordenham eine Selbsthilfegruppe gegründet.

Jens Milde

20.10.2026, 14:54 Uhr

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Birgit Thürmer (links) und Berbel Häseker haben in Nordenham eine Schlaganfall-Selbsthilfegruppe gegründet.

Birgit Thürmer (links) und Berbel Häseker haben in Nordenham eine Schlaganfall-Selbsthilfegruppe gegründet.

Jens Milde

Zusammengefasst

  • Birgit Thürmer und Berbel Häseker haben in Nordenham eine Selbsthilfegruppe für Schlaganfall-Betroffene gegründet; seit August trifft sie sich monatlich im Bildungshaus der Kreisvolkshochschule, auch Angehörige sind willkommen.

  • Zum Welttag des Schlaganfalls am 29. Oktober wollen die beiden Frauen mit einem Infostand in Bremerhaven von 11 bis 16 Uhr vor dem Klimahaus auf das Hilfsangebot aufmerksam machen; dort sollen auch Spenden gesammelt werden.

  • Beide Frauen berichten von bleibenden Folgen ihrer eigenen Schlaganfälle und wollen anderen Mut machen; Berbel Häseker sagt: „Jeder Schlaganfall verläuft anders“ und „es lohnt sich, zu kämpfen.“

Nordenham – Schlaganfall – dieses Schicksal trifft Jahr für Jahr 270.00 Menschen in Deutschland – und zwar unabhängig von Alter und Geschlecht. Natürlich gibt es Risikofaktoren: Diabetes zum Beispiel. Auch starke Raucher haben ein höheres Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden. Aber im Prinzip kann es jeden treffen. Wer wüsste das besser, als Birgit Thürmer aus Nordenham. Sie hat sich immer gesund ernährt, nicht geraucht und sich durch Sport fit gehalten. Sie war gerade 32 Jahre alt geworden, als sie mitten in der Nacht aus dem Bett fiel. Plötzlich konnte sie weder sprechen noch laufen. Mit Blaulicht ging’s ins Krankenhaus am nächsten Morgen ins Krankenhaus. Leider viel zu spät. Ihr Leben konnten die Ärzte retten. Aber es war plötzlich ein ganz anderes als in den 32 Jahren zuvor.

Selbsthilfegruppe in Nordenham

Mittlerweile ist Birgit Thürmer 58 Jahre alt. Sie ist zertifizierte Schlaganfallhelferin und hat es sich zur Aufgabe gemacht, andere Betroffene zu unterstützen. Gemeinsam mit Berbel Häseker hat sie in Nordenham eine Selbsthilfegruppe gegründet. Seit August treffen sich Betroffene immer am vierten Montag eines Monats ab 15 Uhr im Bildungshaus der Kreisvolkshochschule am Marktplatz. Hier tauschen sich Menschen aus, die einen Schlaganfall erlitten haben. Auch Angehörige sind willkommen. Die beiden Frauen wissen, dass nach einem Schlaganfall viele Fragen aufkommen. Sie wissen, dass sich Betroffene manchmal unverstanden fühlen. Birgit Thürmer und Berbel Häseker wollen diese Menschen unterstützen.

Jeder Schlaganfall verläuft anders

Der Schlaganfall, den Birgit Thürmer erlitten hatte, ist mittlerweile 26 Jahre her. Die Folgen sind noch immer sichtbar. Ihre rechte Hand ist gelähmt. Sie ist wetterfühlig. Vor allem in der kalten Jahreszeit hat sie gesundheitliche Probleme. Und sie immer noch Probleme, bestimmte Laute hervorzubringen.

Berbel Häseker hat ebenfalls noch unter den Folgen ihres Schlaganfalls zu leiden. Den hat sie während der Corona-Pandemie erlitten. „Jeder Schlaganfall verläuft anders“, sagt die 73-Jährige, die ebenfalls zertifizierte Schlaganfall-Helferin ist. Das gilt auch für die Folgen. „Man weiß nicht, welche der verlorenen Fähigkeiten man zurückgewinnen kann und welche für immer verloren sind. Aber es lohnt sich, zu kämpfen.“ Von Ärzten habe sie erfahren, dass sich zwei Jahre nach einem Schlaganfall nichts mehr ändert. „Das stimmt aber nicht.“

Jeder Schritt wird geplant

Auch die 73-Jährige musste kämpfen. Und das ist in gewisser Weise nach wie vor der Fall. Sie berichtet, dass Gehen für sie kein Automatismus mehr ist. „Ich muss mir jeden Schritt genau überlegen, ihn sozusagen gedanklich planen.“ Jammern ist aber nicht ihr Ding. Im Gegenteil: Berbel Häseker hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Betroffenen Mut zu machen.

Dass der Weg zurück ins Leben viel Kraft erfordert, hat Birgit Thürmer am eigenen Leib erfahren. Eine Woche lag sie auf der Intensivstation. Anschließend begann die langwierige Therapie. „Das ist in erster Linie Kopfarbeit“, sagt Birgit Thürmer. „Man muss die Verbindung des Gehirns zu den Gliedmaßen wieder herstellen.“ Mithilfe der Therapie kam so langsam das Gefühl in den Füßen wieder zurück. „Ich wollte auf keinen Fall im Rollstuhl sitzen“, erinnert sich Birgit Thürmer. Anfangs konnte sie nur stehen, wenn sie sich an der Bettkante festhielt. Die wenigen Schritte zur Toilette wollte sie auf jeden Fall auf den eigenen Füßen zurücklegen. Und das klappte. „Für mich war das ein Riesenerfolg.“

Gemeinsam stärker

Mit dem Sprechen hat es länger gedauert. Mehr als Gebrabbel habe sie zunächst nicht hervorbringen können. Erst nach einem halben Jahr kam die Sprache so langsam wieder. Arbeiten gehen konnte Bärbel Thürmer allerdings nie wieder. Sie ist zu 80 Prozent schwerbehindert. Ihren Job als Bürokauffrau musste sie aufgeben.

„Gemeinsam sind wir stärker“ – das ist das Motto der beiden. Und deshalb gibt es die Selbsthilfegruppe in Nordenham. Birgit Thürmer und Berbel Häseker sind überzeugt, dass es auch in der Wesermarsch viele Betroffene gibt, die Unterstützung gut gebrauchen können.

Birgit Thürmer (links) und Berbel Häseker geben Betroffenen Mut: Ab August startet ihre Selbsthilfegruppe in Nordenham.

TREFFPUNKT AM MARKTPLATZ„Schlaganfall und Hoffnung“ – Gründung von Selbsthilfegruppe in Nordenham

Der Welttag des Schlaganfalls, der am Donnerstag, 29. Oktober begangen wird, ist für die beiden Frauen ein willkommener Anlass, um auf das Hilfsangebot aufmerksam zu machen. An diesem Tag sind sie an einem Infostand in Bremerhaven anzutreffen. In der Zeit von 11 bis 16 Uhr stehen vor dem Klimahaus. Unter anderem sollen dort Spenden gesammelt werden.

Weitere Informationen zum Welttag des Schlaganfalls auf der Internetseite der Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe.

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